Abbildung Aufmerksamkeitsstörung

ADS / ADHS

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist eine der größten deutschen Kinderkrankheiten. Ca. 600.000 Kinder sind davon mehr oder weniger betroffen. Weltweit haben wir eine Betroffenheit von ca. 4 % bis 5 % aller Kinder. Die Störung zeigt sich in unterschiedlichen Ausprägungsgraden, in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Eines der wesentlichen Kriterien ist die Unkonzentriertheit, d. h. wir haben eine einfache Aufmerksamkeitsstörung ohne Impulsivität oder Hyperaktivität. Sogenannte Mischformen – hier kommt die Hyperaktivität und die Impulsivität hinzu – zeigen ca. 50 % aller betroffenen Kinder. Bei der mittelgradigen Ausprägung des ADHS zeigen sich sehr häufig schulische Probleme, eine hohe Komorbidität von ca. 70 % zeigt sich vor allem in schulischen Problemen wie Lese-/Rechtschreibstörung oder Rechenstörung. Bei schwerer ausgeprägter ADHS zeigen sich auch ebenso schwere Verhaltensauffälligkeiten. Das ADHS ist nicht nur im Kindesalter relevant, sondern bleibt bis zu 40 % - 60 % auch im Erwachsenenalter bestehen. Die Symptome verändern sich nur, d. h. Getriebenheit, Unaufmerksamkeit, Unstrukturiertheit sind hier Schwerpunkte.

Studien haben gezeigt, je früher Kinder mit ADHS/ADS behandelt werden, umso eher sind sie in der Lage, im Erwachsenenalter diese Krankheit zu bewältigen. Je später mit einer Behandlung angefangen wird, umso häufiger zeigen sich die ADHS-Symptome dann auch im Erwachsenenalter. Ebenso ist hier der Ausprägungsgrad relevant. Verschiedene Behandlungsansätze sind hier relevant. Das Kinderzentrum für Wahrnehmungsstörungen bietet hier folgende unterschiedliche Ansätze in der Diagnostik und Therapie an:

  • Ganzheitliche Diagnostik für Kinder und Jugendliche - nicht nur Fragebogendiagnostik
  • Videoanalyse nach Jansen und Streit
  • Verhaltenstherapie als Einzel- wie Gruppetraining
  • Aufmerksamkeits- Konzentrationstraining
  • Soziales Kompetenztraining
  • Gruppentherapie für Erwachsene ADHS/ADSler
  • Diagnostik für Erwachsene ADHS/ADS

Was ist ADHS?

(Auszug aus dem Konsensuspapier der Pädiatrie der AG ADHS)

ADHS liegt vor, wenn unaufmerksames und impulsives Verhalten mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt sind, nicht dem Alter und Entwicklungsstand entsprechen und zu Störungen in den sozialen Bezugssystemen, der Wahrnehmung und im Leistungsbereich von Schule und Beruf führen.

Für die Entstehung dieser Erkrankung spielen Störungen in der Funktion der Neurotransmitter, insbesondere Dopamin, eine entscheidende Rolle mit großer Bedeutung genetischer Faktoren und Einfluss von aggravierenden oder entlastenden Umweltfaktoren.

Nach internationalen und nationalen Studien sind etwa 5% aller Kinder und Jugendlichen davon betroffen. Das bedeutet, dass in der Bundesrepublik etwa 500.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 6-18 Jahren unter den Problemen der ADHS leiden. ADHS ist die weitaus häufigste Ursache für Lern-Leistungsstörungen und Störungen im Sozialverhalten. Das soziale Umfeld in Familie, Kindergarten und Schule ist entsprechend mitbetroffen.

Unbehandelt erreichen die Kinder und Jugendlichen trotz normaler Intelligenz keine begabungsentsprechenden Schul- und Berufsausbildungsabschlüsse, können keine beständigen sozialen Bindungen aufbauen und erhalten, werden wegen ihres Verhaltens sozial isoliert. Dies führt zu einer nachhaltigen Minderung ihres Selbstwertgefühls. Als sekundär psychische Folgen stellen sich nicht selten oppositionell-aggressives Verhalten, Angststörungen, Depressionen ein. Auch die vermehrte Unfallhäufigkeit, Neigung zu Delinquenz und Suchtverhalten führen neben den individualmedizinischen Folgen zu hohen Belastungen für die Solidargemeinschaft.

Unsere Diagnostik und Therapie orientieren sich an der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte und der Kinder- und Jugendpsychiater "Diagnostik und Therapie bei ADHS" (...) in der jeweils aktuellen Fassung. Änderungen der Leitlinie erfolgen etwa alle 2 Jahre, sofern dies zur Anpassung an den wissenschaftlichen Erkenntnisstand und/oder zur Optimierung der Empfehlungen notwendig erscheint. Änderungsvorschläge aus der Mitgliedschaft der BVAD und aus den oben genannten pädiatrischen Gruppierungen sind an die Leitlinienkommission (Vorstand der BVAD) zu richten. Die Leitlinie der BVAD entspricht in ihren Aussagen den auf evidence basierten Erkenntnissen beruhenden Guidelines der American Academy of Pediatrics (...).

Für eine optimale Betreuung bei ADHS sind frühzeitige Erkennung, rechtzeitige situationsangepasste Therapie und langfristige Führung der Patienten notwendig.

Art und Umfang der diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen im Rahmen der Leitlinienempfehlungen sind abhängig von der individuellen Ausprägung des Störungsbildes beim einzelnen Patienten. Das soziale Umfeld - Familie und sonstige Erzieher - ist immer einzubeziehen.

Sofern sich aus der individuellen Situation beim Patienten ein Bedarf für spezielle diagnostische und/oder therapeutische Maßnahmen ergibt, der in der betreuenden Praxis nicht erbracht werden kann, sollten diese Maßnahmen in einem auch fachgruppenübergreifenden interdisziplinären Betreuungsnetz koordiniert werden.

Ziel der Bemühungen der wesentlich mit ADHS befassten pädiatrischen Gruppierungen ist:
Versorgungssicherung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS durch situationsgerechte qualitätsgesicherte Betreuung und Sicherstellung eines ausreichenden Versorgungsangebotes durch Optimierung der Kooperation in vernetzten Versorgungsstrukturen.

Übernommen aus dem Konsensuspapier der Pädiatrie der AG ADHS